
v.l. Stephanie Watschöder, Fachreferentin der Arbeitsgemeinschaft, Luise Kinseher, Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger, Anne Hübner, Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion im Münchner Stadtrat, Thomas König, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums, Christina Haack, Dominik Bloh, Lili Reiter und Jörn Scheuermann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft. © kmfv
Arbeitsgemeinschaft Wohnungsnotfallhilfe München und Oberbayern feiert Jubiläum und richtet den Blick auf die Herausforderungen der Zukunft
Seit 40 Jahren steht die Arbeitsgemeinschaft Wohnungsnotfallhilfe München und Oberbayern für eines: Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit gemeinsam zu begegnen. Beim Jubiläumsfestakt am 12. Oktober würdigten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wohlfahrtspflege und Wohnungsnotfallhilfe vier Jahrzehnte erfolgreicher Zusammenarbeit und diskutierten zugleich die Aufgaben der kommenden Jahre.
Die Arbeitsgemeinschaft wurde 1986 gegründet, um Menschen in Wohnungsnot wirksamer zu unterstützen und die Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Bezirken, Freistaat Bayern, Wohlfahrtsverbänden und freien Trägern zu stärken. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals wegweisend: unterschiedliche Zuständigkeiten nicht gegeneinander abzugrenzen, sondern im Sinne der betroffenen Menschen miteinander zu verbinden.
Wohnungslosigkeit beginnt oft früher als viele denken
Wohnungslosigkeit entsteht selten durch ein einzelnes Ereignis. Häufig führen mehrere Belastungen zusammen zu einer existenziellen Notlage, etwa Mietschulden, Krankheit, psychische Krisen, Arbeitsplatzverlust oder familiäre Brüche.
„Wohnungslosigkeit beginnt nicht erst dort, wo ein Mensch auf der Straße schläft. Sie beginnt oft viel früher“, betonte Christina Haack, Vorsitzende des Kuratoriums der Arbeitsgemeinschaft Wohnungsnotfallhilfe München und Oberbayern, im Rahmen des Festaktes.
Aus diesem Grund gewinnt Prävention zunehmend an Bedeutung. In den vergangenen Jahren konnten in Oberbayern ambulante Fachberatungsstellen nahezu flächendeckend ausgebaut werden. Sie helfen dabei, Wohnungsverluste frühzeitig zu verhindern, Menschen in Krisen zu unterstützen und nachhaltige Perspektiven zu entwickeln.

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Vier Jahrzehnte fachliche Entwicklung und Zusammenarbeit
Die Arbeitsgemeinschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Impulse für die Weiterentwicklung der Wohnungsnotfallhilfe gesetzt. Dazu gehören unter anderem der Ausbau ambulanter Hilfen, die Stärkung regionaler Kooperationsstrukturen sowie die Bearbeitung wichtiger Schnittstellen zu Psychiatrie, Suchthilfe und Eingliederungshilfe.
Regionale Zusammenarbeit mit bayernweiter Wirkung
Aus der Arbeit der Arbeitsgemeinschaft entwickelte sich die Koordination Wohnungslosenhilfe Südbayern. Gemeinsam mit der Koordination in Nordbayern entstand daraus eine landesweite Struktur, die Kommunen, Bezirke und Träger bei der Weiterentwicklung ihrer Hilfesysteme begleitet. Damit wirken viele in München und Oberbayern entwickelte Ansätze heute weit über die Region hinaus.

Autor Dominik Bloh, einst selbst von Obdach- und Wohnungslosigkeit betroffen, hielt einen Fachvortrag. © kmfv
Bezahlbarer Wohnraum bleibt zentrale Herausforderung
Trotz vieler Fortschritte bleibt Wohnungslosigkeit eine große gesellschaftliche Herausforderung. Zwar ist die Zahl der untergebrachten wohnungslosen Menschen in Bayern zuletzt zurückgegangen, dennoch waren Anfang 2026 weiterhin rund 40.000 Menschen von Wohnungslosigkeit betroffen.
Dabei wurde beim Festakt deutlich: Prävention, Fachberatung und soziale Unterstützung sind unverzichtbar. Gleichzeitig kann soziale Arbeit fehlenden Wohnraum nicht ersetzen. Die Schaffung und Sicherung bezahlbarer Wohnungen bleibt eine zentrale Voraussetzung, um Wohnungslosigkeit dauerhaft zu verhindern.

Luise Kinseher moderierte durch den Abend. © kmfv
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Das Jubiläum war deshalb nicht nur Anlass für einen Rückblick, sondern auch ein Auftrag für die Zukunft. Die Weiterentwicklung präventiver Hilfen, die Stärkung der Zusammenarbeit unterschiedlicher Unterstützungssysteme und die Sicherung bezahlbaren Wohnraums werden auch künftig im Mittelpunkt stehen.
Oder, wie Christina Haack es zum Abschluss ihrer Rede formulierte:
„Wohnungslosigkeit entsteht unter gesellschaftlichen Bedingungen. Und genau deshalb können wir diese Bedingungen auch verändern. Nicht allein. Aber gemeinsam.“